Zeitgenössisches Bühnenprojekt  •  Aufführung Sprechwerk 20.09.2020 • Filmproduktion 13.09.2020 • Live & Online

LUCKY LINDYs HOP
ist ein zeitgenössisches Tanztheater aus den Vintage-Tanzstilen Lindy Hop, Blues und Charleston. Mit ihnen wurde durch moderne Choreografiearbeit ein Handlungsballett zur Atlantiküberquerung Charles Lindberghs gestaltet. Das Stück wird live begleitet von der Black Mountain Swing Band und dem Komponisten und Multiinstrumentalisten Gennady Tsypin.

An der Produktion arbeiteten vor der Corona-Pandemie vier junge Choreografen (Schwerpunkt künstlerischer Tanz und Performance) und vierzig Laien-TänzerInnen der Hamburger Swingtanz-Szene, aber auch professionelle Schauspieler und Berufstänzer/innen. Die Aufführung im Hamburger Sprechwerk sollte am 3. Mai 2020 stattfinden. Nun, nach dem Lock Down haben sich einige der TänzerInnen und die Choreografinnen wieder an die Arbeitt gemacht. Und werden bis September eine Corona-Konforme Bühnen -und Filmfassung initiieren. Gemeinsam werden die Vintage-Tanztechniken aufgebrochen und in das Tanzverständnis der Jetztzeit transportiert.

Modetanz im künstlerischen Gewand
Die im Authentic Jazz zusammengefassten afroamerikanischen Stile sind Improvisationstänze mit spezifischen körperlichen Kommunikationselementen. Diese werden wie ein Alphabet zu Bewegungsabläufen, zu Tänzen mit oder ohne Partner zusammengefügt. Je nachdem, wie fortgeschritten Swingtänzer sind, werden größere standardisierte Figuren aneinandergereiht oder jedes einzelne Bewegungselement spontan passend zur Musik getanzt.

Die wichtigste Arbeit des Projekts LUCKY LINDYs HOP ist, den beteiligten Freizeittänzern die Welt des künstlerischen Tanzes nahe zu bringen, eigene Gefühle und Erlebnisse darin zu verarbeiten und sich körperlich mit einem Thema auseinander zu setzen.

Die vielen Gesichter von Charles Lindbergh
Charles A. Lindbergh, geboren 1902 in Detroit, wächst als einsames Kind an verschiedenen Orten auf und wird Pilot. Der junge Lindbergh ist ehrgeizig, intelligent, überheblich, diszipliniert und risikobereit.

Als er mit 25 Jahren in New York seinen Direktflug nach Paris startet, halten viele dies für sein Todesurteil. Nach 33 ½ gefährlichen Stunden über dem Ozean erreicht er Paris und wird schlagartig zum weltberühmten Nationalhelden. Auch der wilde neue Paartanz „Lindy Hop“ wird nach ihm benannt.

Lindberghs enorme Prominenz kostet ihn viel, sogar das Leben seines ersten Sohnes. Während der älter gewordene Lindbergh mit dem deutschen Nationalsozialismus sympathisierte, wird die tanzende Swing-Jugend in Hamburg verfolgt und deportiert.

Lindbergh bleibt überzeugter Sozialdarwinist. Seine waghalsige Atlantiküberquerung hingegen steht für unser Potenzial, Grenzen zu überwinden. Dies teilt sie mit den afroamerikanischen Authentic Jazz Tanzstilen, die zum Symbol für Offenheit, Toleranz und Freiheitsliebe wurden.

Im Alter wird Lindbergh zum Naturschützer. Erst nach seinem Tod wird bekannt, dass er heimlich vier Familien gleichzeitig führte.

Welchen Lindbergh zeigt das Stück?
Lindberghs Biografie ist mehr als kontrovers. Umso mehr erstaunt es, dass der Lindy Hop nach ihm benannt worden sein soll. Auf diese Weise wird Lindbergh noch heute mit den Authentic Jazz Stilen in Verbindung gebracht, welche vor dem Hintergrund von Kolonialisierung und Sklavenhandel entstanden und seither weltweit verschiedenste Menschen miteinander verbinden.

Ein faszinierender Widerspruch, den wir im Rahmen unseres Vorhabens nicht unbeachtet lassen werden. Tänzerisch interessiert uns besonders die emotionale Entwicklung des jungen Lindbergh während der 33 Stunden und 30 Minuten allein über dem offenen Meer.

Welche Träume, welche Ängste beschäftigen einen jungen Menschen, konfrontiert mit der Einsamkeit, dem Tod – und vor allem mit sich selbst? Welchen Abgründen seiner narzisstischen Persönlichkeit begegnete er in dieser Ausnahmesituation? Obwohl alle Welt seinen Flug mitverfolgte, teilte Lindbergh diese Erfahrung allein mit sich selbst.

Das Tanzstück wird klassisch in drei Akte unterteilt, in denen Start, Flug und Landung symbolisiert werden. Sie stellen gleichsam die emotionale Entwicklung des Menschen Lindbergh dar, innerhalb jener gefährlichen 33 Stunden und 30 Minuten, die sein abenteuerliches Unterfangen dauerte.

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